Vom Exoten zum Pastoralreferenten

Am 31. Juli beendet Pastoralassistent Stefan Wessels seine Ausbildungszeit und verlässt uns damit. Die Pressestelle des Bistums berichtet: 

Vom Exoten zum Pastoralrefrenten

 

In der Schule war er eine Art Exot. Nur wenige Kinder in seiner Heimatstadt Wernigerode in Sachsen-Anhalt waren getauft, noch weniger katholisch: „Wenn im Unterricht über christliche Feste gesprochen wurde, hat meine Lehrerin mich gefragt, ob sie es richtig erklärt habe“, erinnert sich Stefan Wessels. Der 27-Jährige, der aus dem Bistum Magdeburg stammt, verstärkt ab dem 1. August mit 30 Stunden das Seelsorgeteam der Pfarreien St. Agatha in Mettingen und St. Margareta in Westerkappeln. Offiziell beauftragt wird er dazu von Bischof Dr. Felix Genn am Sonntag, 27. September, zusammen mit 21 weiteren Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten im St.-Paulus-Dom.

 

Dass er nach dem Studium der Religionspädagogik in Paderborn ins Bistum Münster gekommen ist, hat Wessels seiner Ehefrau Carolin zu verdanken, die als Pastoralreferentin in der Lengericher Pfarrei Seliger Niels Stensen arbeitet, aktuell allerdings in Elternzeit ist. In Hauenhorst aufgewachsen, kennt sie die Gegend gut. Künftig möchte die kleine Familie in Leeden wohnen.

Kurz vor dem Abitur habe er sich Gedanken gemacht, was er mit seinem Leben anfangen möchte, welche Aufgabe ihn erfüllen könnte. Lehrer? Stefan Wessels entschied sich schnell dagegen: „In der Schule geht es zu sehr um die Leistung – und zu wenig um den Menschen.“ In der katholischen Kirche sei dies anders: „Ich glaube und bin überzeugt, dass es lohnt, sich hierfür zu engagieren.“

Wessels bringt andere kirchliche Erfahrungen als seine Kolleginnen und Kollegen mit: „Kirche im Bistum Magdeburg war und ist wirklich überschaubar. Die Gemeinden sind klein. Gleichzeitig haben viele Christen dort ein großes Bedürfnis, sich zu versammeln“, sagt er. Immer wieder beeindruckend findet der Pastoralreferent das ehrenamtliche Engagement, das sicher auch aus der Not entstanden sei: „Wo wirklich wenig Geld ist, müssen Menschen erfinderisch werden, sie müssen mit anpacken, wenn ihnen etwas am kirchlichen Leben vor Ort liegt.“ In seinem Heimatbistum gebe es zum Beispiel kaum hauptamtliche Küster und nur wenige Kirchenmusiker. „Und doch sind da Menschen, die sich kümmern“, berichtet Wessels.

 

In Westerkappeln wird der junge Familienvater wieder mit einer Diaspora-Situation konfrontiert – eine Herausforderung, der sich der 27-Jährige gerne stellt. In St. Margareta wird er sich um die Firmvorbereitung kümmern, so ist es mit Pfarrer Timo Holtmann und Pater Shaji George abgesprochen. Jugendliche auf diesem Weg zu begleiten, findet Wessels spannend: „Ich möchte die Firmanden dazu bringen, dass sie sich mit Gott und ihrem Glauben auseinandersetzen – und nicht die Zeit der Vorbereitung absitzen.“

 

Stefan Wessels möchte mit den Menschen in den beiden Pfarreien nach dem Mehr im Leben suchen und dabei Ausschau halten, „wo Gottes Spuren in der Welt zu finden sind“. Kraft und Ermutigung findet er im Matthäusevangelium: „Und siehe, der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei.“

 

Im Harz mit Blick auf den Brocken groß geworden, schätzt Stefan Wessels gebirgige Landschaften. Dass der Teutoburger Wald ganz in seiner Nähe ist, freut ihn sehr: „Ich mag das Meer, aber die Berge noch lieber“, gesteht er mit einem Augenzwinkern.

Gudrun Niewöhner

 

[15.07.2020]