Gedanken zum Marienmonat Mai von Pastor Wiemeler

Marienverehrung im Mai – Gebet in der Haltung der Solidarität mit allen, die in der Pandemie bedroht sind von Krankheit, Einsamkeit, Überforderung, Tod und Trauer

 

"Maria ist immer die Straße, die zu Christus führt. Jede Begegnung mit ihr wird notwendig zu einer Begegnung mit Christus." (Papst Paul VI. in seiner Enzyklika „Mense Maio“)


Der Mai gilt kirchlich traditionell als "Marienmonat". Die Gottesmutter wird in der christlichen Spiritualität zugleich als Sinnbild für die lebensbejahende Kraft des Frühlings und seine überbordende Fruchtbarkeit verstanden und etwa als "Maienkönigin" verehrt. Maria steht am Beginn des Heilswerkes Gottes und symbolisiert somit den "Frühling des Heils".


Im Zentrum der Marienfrömmigkeit steht u.a. die Demut, lateinisch "humilitas", die in enger Verbindung mit "humus" – Erde – steht. Sie wird so zum Sinnbild einer "Frau des Volkes" und ist den Gläubigen in besonderer Weise nahe, indem in ihr Göttliches und Menschliches verschmelzen.
Die besondere Verehrung Mariens blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Mittelalter wurden Maifeste heidnischen Ursprungs christlich umgedeutet. Im Laufe der Geschichte kristallisierte sich vermehrt die marianische Prägung dieser Feste heraus und mündete in den sogenannten Maiandachten.


Ebenfalls eine besondere Bedeutung hat der Rosenkranz im Monat Mai. Im Rosenkranz wird Maria um Hilfe und Fürsprache angerufen. Sie wird nicht selbst angebetet, da dies nur Gott zusteht, wohl aber wird sie als Weg zu Jesus Christus gesehen, wie es Papst Paul VI. in seiner Enzyklika "Mense Maio" formuliert: "Maria ist immer die Straße, die zu Christus führt. Jede Begegnung mit ihr wird notwendig zu einer Begegnung mit Christus."

 

Marienmonat im Zeichen der Pandemie

 

Die Maiandachten in diesem Jahr stehen unter dem Eindruck der Corona-Pandemie und finden deshalb nicht statt. Der Mai kann dennoch ein Monat der Andacht sein, der uns an alle, die unter der Pandemie leiden – auch über unseren alltäglichen Horizont hinaus, betend denken lässt.
In letzter Zeit gab und gibt es dankenswerter Weise die Möglichkeit zur Teilnahme an Gottesdiensten und an Gebeten im Livestream. Wie wäre es einen eigenen Livestream, einen eigenen Lebensstrom oder Lebensfluss  neu zu starten mit einer Lebensquelle, die Jesus in jedem Ave Maria zur Mitte hat? Wir sind eingeladen den Rosenkranz ganz ohne Internet - Livestream, dafür persönlich zu beten -  vielleicht in Verbindung mit einem Menschen, den ich gerade nicht besuchen kann und darf, den ich vermisse und der mich vermisst. 


Ferner kann diese Art Livestream auf dem Weg mit Maria zu Christus auch die Anliegen der Welt umfassen. Wir stehen alle im Krisenmodus. Das kann Stress und Angst machen. Dabei stehen zu bleiben wäre fatal, weil wir weder uns noch Gott zutrauen in diese Welt mit Pandemie, Flüchtlingen, Verfolgung von religiösen Minderheiten, Hasskommentaren im Internet, nationalistischen Egoismen in manchen politischen und wirtschaftlichen Strömungen, Verschwörungen, Kriegen, Hunger, Klimaveränderung und vielem mehr einzuwirken. 


Der Rosenkranz ist keine Leistung, er ist ein Sich-Hineingeben in die Liebe Gottes, der Maria sich öffnete, damit auch Christus in uns immer wieder neu geboren wird, damit wir in IHM Glaube, Hoffnung und Liebe erfahren in einer Welt, in der das Gegenteil im Trend liegt. 


Der Welt geht es schlecht. Das ist offensichtlich – auch wenn wir es (noch) nicht so spüren wie in den Ländern wo Armut, Krieg, Krankheit und Tod ein leichtes Spiel haben. Seit jeher hat das inständige Gebet eine Wirkung gehabt, die Gefahr abgehalten und Leben ermöglicht hat. Das wird in unserer wissenschaftlichen, technikorientierten, aufgeklärten und säkularen Welt weithin unterschätzt. Ich darf um alles bitten, auch wenn ich nicht kleinlich alles gleich umgesetzt erwarten darf. 
Wie gesagt, es geht um meine Hingabe. Wenn ich im übertragenen Sinne meine Hände im Gebet Gott hinhalte, mit allem was in mir ist, wenn ich sie IHM gebe, wird ER sie auf SEINE Weise in SEINE Hände nehmen, sie füllen, sie halten und zum Frieden führen. 
Viele Rosenkranzbeter haben im Laufe der Geschichte diese Erfahrung gemacht. Gewalt und Krankheit, Not und Pestilenz konnten abgewendet, aufgehalten oder überwunden, ja besiegt werden.


In diesen Tagen wird bei uns immer mehr von der Rückkehr in den Normalzustand gesprochen. Der kann nur unter Vorsicht und Auflagen geschehen. Dabei nimmt unsere Gesellschaft sich irgendwie auch selbstverständlich selbst in den Blick. Der Blick auf die, die zurückbleiben, die nicht vor Krankheit, dem eigenen Tod oder dem Tod eines lieben Menschen unter Pandemiebedingungen, ausweichen konnten, sondern Kreuzmomente aushalten mussten und müssen, dieser Blick wird schnell auf eine wieder laufende Wirtschaft gewendet. Bei aller Notwendigkeit in den Alltag zurückzukehren "besteht die Gefahr, dass uns ein noch schlimmeres Virus trifft, und zwar das eines gleichgültigen Egoismus. Es überträgt sich ausgehend von der Idee, dass das Leben besser wird, wenn es besser wird für mich, dass alles gut ausgeht, wenn es gut ausgeht für mich….Diese Pandemie erinnert uns jedoch daran, dass es keine Unterschiede und keine Grenzen zwischen den Betroffenen gibt. Wir sind alle zerbrechlich, alle gleich, alle wertvoll…. Es ist an der Zeit die Ungleichheit zu beseitigen, die Ungerechtigkeit zu heilen, die die Gesundheit der gesamten Menschheit bedroht!" (Papst Franziskus in seiner Predigt am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit).

 

Gebetseinladung von Papst Franziskus


Papst Franziskus lädt uns in einem Brief zum Rosenkranz im Mai ausdrücklich  ein: "In diesem Monat ist es Brauch, den Rosenkranz zu Hause in der Familie zu beten. Die Einschränkungen der Pandemie haben uns "gezwungen", den häuslichen Aspekt zur Geltung zu bringen, auch unter geistlichem Gesichtspunkt. Deswegen möchte ich alle einladen, wieder neu zu entdecken, wie schön es ist, im Monat Mai zu Hause den Rosenkranz zu beten. Dies kann man gemeinsam tun oder für sich persönlich; zieht beide Möglichkeiten in Betracht und entscheidet, was in eurem Umfeld besser ist. Auf jeden Fall gibt es aber ein Geheimnis, wie man es machen soll: in Einfachheit."


Viele Gebetsvorlagen zum Rosenkranz sind im Internet, u. a. auch auf den Seiten den Bistums Münster, zu finden. Wir sind eingeladen zu einer tieferen Einheit als geistliche Familie, um die Pandemie weltweit zu überwinden. 

 

Alternative Rosenkranzgesätze:

  1. Jesus, der den Ohnmächtigen Halt und Stärke ist. 
  2. Jesus, der den Kranken Beistand und Hilfe ist. 
  3. Jesus, der den Gläubigen Kraft und Trost schenkt. 
  4. Jesus, der den Sterbenden Zuflucht und Heil verspricht. 
  5. Jesus, der den Verstorbenen das ewige Leben verheißt.

 

In der Form des Rosenkranzes kann das 'Berufungsgeheimnis' der seligen Schwester Euthymia betrachtet werden. Zu ihrem Leben gehörte das tägliche Rosenkranzgebet und die Hingabe im Dienst an den Kranken (auch auf der Isolierstation), Notleidenden, Kriegsgefangenen und Sterbenden. Euthymia bedeutet übersetzt: Die Frau, die guten Mutes ist.

  1. Jesus, der Schwester Euthymia in den Ordensstand gerufen hat.
  2. Jesus, der Schwester Euthymia in seinen Dienst genommen hat.
  3. Jesus, der Schwester Euthymia zum Engel der Liebe berufen hat.
  4. Jesus, der uns in Schwester Euthymia eine Heilige des Alltags gegeben hat.
  5. Jesus, der uns in Schwester Euthymia eine Fürsprecherin im Himmel geschenkt hat.

 

Papst Franziskus bietet u. a. anderem einen Gebetstext nach dem Rosenkranz an, der sich an dem Gebet „Unter deinem Schutz und Schirm…“ orientiert:

»Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter.«


In dieser dramatischen Situation voll von Leiden und Ängsten, welche die ganze Welt bedrücken, wenden wir uns an dich, o Mutter Gottes und unsere Mutter, und suchen Zuflucht unter deinem Schutz und Schirm.
O Jungfrau Maria, in dieser Pandemie des Coronavirus wende deine barmherzigen Augen uns zu und tröste alle, die um ihre verstorbenen Angehörigen trauern und weinen, die zuweilen in einer die Seele verletzenden Weise beerdigt wurden. Stütze alle, die sich um die Kranken ängstigen, denen sie wegen der Ansteckungsgefahr nicht nahe sein können. Schenke Zuversicht denen, die wegen der ungewissen Zukunft und der Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeit in Sorge sind.
Mutter Gottes und unsere Mutter, erflehe für uns bei Gott, dem barmherzigen Vater, dass diese harte Prüfung ein Ende habe und am Horizont wieder Hoffnung und Friede erscheine. Wie zu Kana trete bei deinem göttlichen Sohn für uns ein, dass die Familien der Kranken und der Verstorbenen getröstet werden und sie im Herzen wieder Vertrauen fassen können.
Beschütze die Ärzte, die Krankenschwestern und –pfleger, die im Gesundheitswesen Tätigen und die Freiwilligen, die in dieser Notsituation an vorderster Front kämpfen und ihr Leben riskieren, um das anderer zu retten. Begleite ihr heroisches Bemühen und gib ihnen Kraft, Güte und Gesundheit.
Sei du bei denen, die Tag und Nacht die Kranken pflegen, und hilf den Priestern, die mit seelsorgerischem Eifer und einem dem Evangelium entsprechenden Einsatz versuchen, allen zu helfen und eine Stütze zu sein.
Heilige Jungfrau Maria, erleuchte den Verstand der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, auf dass sie geeignete Lösungen zur Bekämpfung des Virus finden.
Stehe den Verantwortlichen der Nationen bei, dass sie Weisheit, Fürsorge und Großmut walten lassen und mit Weitblick und im Geist der Solidarität durch soziale und wirtschaftliche Programme all denen zur Hilfe kommen, denen das Nötige zum Leben fehlt.
Heilige Maria, rühre die Gewissen an, damit die Unsummen für die Vermehrung immer ausgeklügelterer Waffensysteme vielmehr einer angemessenen Forschung zur künftigen Vermeidung ähnlicher Katastrophen zugutekommen.
O geliebte Mutter, lass in der Welt das Zugehörigkeitsgefühl zu der einen großen Familie wachsen im Bewusstsein des Bandes, das uns alle eint, damit wir in geschwisterlichem und solidarischem Geiste der vielfachen Armut und den Situationen des Elends Abhilfe leisten. Stärke uns, damit wir feststehen im Glauben, Ausdauer haben im Dienen und beharrlich sind im Beten.
O Maria, Trösterin der Betrübten, nimm deine geplagten Kinder in den Arm und erwirke bei Gott, dass er in seiner Allmacht eingreife, um uns von dieser schrecklichen Epidemie zu befreien, damit das Leben unbeschwert wieder seinen normalen Gang aufnehmen kann.
Dir vertrauen wir uns an, die du auf unserem Weg als Zeichen des Heils und der Hoffnung erstrahlst. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. Amen.


So wünsche ich Ihnen allen einen gesegneten Mai und bleiben Sie auf die Fürsprache Mariens in Gottes Segen geborgen!
Ihr Pastor Matthias Wiemeler