Das verhüllte Kreuz, Symbol der Passionszeit

Am 5. Sonntag der Fastenzeit, dem früheren ersten Sonntag der eigentlichen Passionszeit, werden die Kruzifixe und Kreuze in den Kirchen verhüllt. Sind Triptychen und Flügelaltäre vorhanden, sind diese häufig zugeklappt und zeigen die einfacher gestaltete Rückseite der Flügel. Diese alte Tradition möchten wir in diesem Jahr in all unseren Kirchen genauso umsetzen, verbunden mit der Bitte, gerade in der Passionszeit sich selbst noch einmal die Bedeutung des Kreuzes und dessen was daran geschah bewusst zu machen.

 

Kreuzverhüllung

Der Brauch, vom Fünften Fastensonntag an bis Ostern die Kreuze und Bilder in den Kirchen zu verhüllen, kam zu einer Zeit auf, in der man das Kreuz als Sieges- und Lebenszeichen verstand. Kreuzesdarstellungen hatten die Gestalt von Triumph-Kreuzen: geschmückt mit Perlen und Edelsteinen. Sie wurden vom damals so genannten „Passionssonntag" an verhüllt, weil man sich in diesen Tagen vor Ostern auf den Aspekt des Leidens und Sterbens Jesu Christi konzentriert(e), um an Ostern die Auferstehung und das Leben zu feiern. Auch die Erinnerung daran, dass Jesus sich in der letzten Zeit vor seinem Einzug in Jerusalem nicht mehr in der Öffentlichkeit bewegte (Joh 11,54), mag eine Rolle gespielt haben. Verhüllt wurden auch Bilder, die als Abbildung der Heilsgeschichte (nach dem Alten und dem Neuen Testament sowie im Leben von Heiligen) den Aspekt des Sieges Christi und seiner Verherrlichung betonen. Als schließlich Kreuze mit der Gestalt des leidenden Herrn üblich wurden, blieb der Brauch der Verhüllung dennoch erhalten. Im Zuge der Erneuerung der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil kam der Ursprung des Brauchs, nur die Triumphkreuze zu verhüllen, wieder stärker in Erinnerung. So ist heute vorgesehen, dass die Kreuze bis zum Ende der Karfreitagsliturgie, die Bilder jedoch bis zum Beginn der Osternachtfeier verhüllt bleiben. Für die Kreuzverehrung am Karfreitag gibt es neben einer Kreuz-Enthüllung (von Triumphkreuzen) die zweite Möglichkeit, ein unverhülltes Kreuz (mit dem leidenden Herrn) in die gottesdienstliche Versammlung hereinzutragen.